Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main
Aufbaustudium 2006

(Gestalterische Arbeit bei Prof. Bernd Kracke)
(Theoretische Arbeit bei Prof. Dr. Burghart Schmidt)

Thema: Republic of China, without People!

von: Ming Hsu

Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 2

2. Hintergründe 3
2.1 Vorstellung des Projektes 3
2.2 Rückblick auf frühere Werke 4
2.3 Abriss desProjektes 6
2.4 Einfluss von außen 8
2.5 Jan Svankmajer 9

3. Geschichtlicher Hintergrund 9
3.1 Opiumkriege 9
3.2 Niederschlagung des Boxeraufstandes 10
3.3 Widerstandskrieg gegen Japan 11
3.4 Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Nationalisten 12
3.5 Vorstellung von politischen Persönlichkeiten 12
3.6 Vorstellung Taiwans und Chinas 13
3.6.1 Taiwan 13
3.6.2 China 14

4. Bestandteile der Animation 16
4.1 Drehbuch 16
Kapitel 1: Chinese SUSHI 16
Kapitel 2: Godzilla is coming 16
Kapitel 3: Civil War 16
Kapitel 4: Maoism vs. Chiangism 17
Kapitel 5: Nationality 17
4.2 Technische Methoden 18
4.3 Format beim Datenexport 19
4.4 Digitale Hilfsmittel und Postproduktion 19
4.5 Projektplan 20
4.6 Vertriebsplan und Möglichkeiten der Vermarktung 21

5. Schlussbetrachtung 21

6.Quellennachweis 22
6.1 Internetquellen 23

7.Anhänge: 23
7.1 Filme von Jan Svankmajer: 23
7.2 Storyboard: 25
7.3 Rollen(Character) Setting(Sence): 41
7.4 Gegenständen: 89
7.5 Arbeiten und Studio: 100
7.6 Kurzfilm mit Kooperation von BenQ-Siemena: 107
7.7 Tabellarischer Lebenslauf: 117

1. Tabellarischer Lebenslauf
Im Jahr 2002 vollendete ich eine acht- bis neunminütige Kinderanimation über die „Gespräche des Konfuzius“ (Lunyu). Hierzu nutzte ich die Technik der Stop Motion Animation. Es verging insgesamt ein Jahr und es brauchte mehrere Anläufe, bis ich zusammen mit meiner Kommilitonin Danny Chi diese Animation fertigstellen konnte.

Anschließend beschäftigte ich mich weiterhin mit der Realisierung von eigenen Werken, bis mir im Frühling 2005 die Idee kam, eine Animation über die jüngere Geschichte Chinas zu machen. Fortan gab ich der Animation den Namen Republic of China, without people! Auch für dieses Projekt schien mir die Stop Motion Animation geeignet. Als Zeitplan setzte ich mir 18 Monate, um eine etwa fünfminütige Animtion zu verwirklichen.

Während des Prozesses der Fertigstellung lernte ich von neuem meinen eigenen Vater sowie die Kultur und Geschichte unseres Landes kennen. Neben in dieser theoretischen Arbeit erläuterten Hintergründe des Werkes kommen auch theoretische Grundlagen wie die jüngere Geschichte Chinas und deren Persönlichkeiten, die künstlerischen Besonderheiten dieser Zeit sowie eine Vorstellung und Diskussion über Jan Svankmajer, an dessen Stil ich mich in meinem Werk orientiert habe.

Sämtliche Schritte des Realisierungsprozesses werden in dem Kapitel „Bestandteile der Animation“ besprochen, ebenso die Verbindung des Grundgedanken mit den theoretischen Grundlagen, die Vorstellung der Geschichte, die Methode und Technik. Zuletzt komme ich auf Vorstellungen einer möglichen Vermarktung. Zu diesem Zweck verfasse ich einen simulierten Plan, denn letztendlich hoffe ich auf die Entwicklung einer eigenen Marke.
Diese Animation ist das erste eigenständig entwickelte Werk, so dass außer der eigentlichen Realisierung ebenso Fragen der entstandenen Kosten und der Distribution zu bedenken sind

2. Hintergründe
2.1 Vorstellung des Projektes

Der Stil der Stop Motion Animation Republic of China, without People! ist gleich dem eines Erwachsenencomics. Daraus ergibt sich eine mit schwarzem Humor und mit gefühlsbetonter symbolischer Sprache durchzogene Erläuterung eines traurigen Kapitels der Chinesen und ihrer Geschichte, von den Opiumkriegen bis heute. Diese Animation teilt sich in fünf hauptsächliche Kapitel ein, wobei sich der zeitliche Rahmen von der Zeit seit den Opiumkriegen 1842 und der anschließenden Öffnung Chinas bis in die heutige Zeit erstreckt. Die fünf Kapitel lauten:
1. Chinese Sushi
2. Godzilla is coming
3. Civil War
4. Maoism against Chiangism
5. Nationalism

Augenblicklich beträgt die geplante der Animation etwa fünf Minuten, wobei zum größten Teil die Farben Weiß, Schwarz und Grau Verwendung finden, alles in einem barockartigen Licht. Diese Machart erinnert stark an die Animation The Death of Stalinism in Bohemia des tschechischen Regisseurs und Surrealisten Jan Svankmajer (geb. 1934). Das Tempo des Films soll schnell sein, das Format ist „avi targa“ oder „tiff“.

2.2 Rückblick auf frühere Werke
Wie oben bereits erwähnt, stellte ich im Jahr 2002 die erste Stop Motion Animation mit dem Titel Determination of Confucius (Länge 8 min 50 sek) fertig, die das von vielen als Grundwerk des traditionellen Konfuzianismus (chin. rujia 儒家), das Lunyu (übersetzt etwa mit „Gespräche und Worte“), zum Inhalt hatte. Die traditionelle chinesische Kultur wird von vielen Menschen heutzutage als fremd angesehen, zudem empfinden sie sie nicht interessant, und gerade das Lunyu gilt bei vielen als geistig starres Kulturgut. Hinzu kommt, dass dieser Klassiker bei vielen Kindern mit der Erinnerung haften bleibt, ihn ohne irgendein nützliches Ergebnis auswendig gelernt zu haben. Doch auch in England gibt es einige Leute, die Shakespeare in ihrem gesamten Leben nicht ein einziges Mal gelesen haben. Doch dies nur als Beispiel. Deshalb hatte ich den Einfall, eine Kinderanimation über den konfuzianischen Klassiker, das Lunyu, zu verwirklichen.
Das „Fremde“ gegenüber einer Kultur hat viele Gründe, beispielsweise aufgrund der anderen Zeit oder Umgebung, in der man aufwächst. Deshalb dachte ich mir, einen neuen Erklärungsansatz von chinesischer Kultur mithilfe neuer Techink, der der Animation, zu wagen.

Die Drawn Animation No smoking man (1 min 17 sek) aus dem Jahr 2002 ist eine Arbeit, die ich während meines Studiums am Institut für Design an der Staatlich-Technischen Universität Taiwan realisierte. Bei diesem Versuchsprojekt, das ich zusammen mit meinem Kommilitonen Eddie Lin in Angriff nahm, wurden die gemalten Bilder in den Computer eingescant und mit dem Programm After Effects wurden sie dann in bewegliche Bilder umgesetzt. Das Ergebnis war zufriedenstellend.

The senses of lives (48 min) ist mein erster Dokumentarfilm aus dem Jahr 2003, bei dem ich mit einer digitalen Videokamera das Leben von fünf Freunden aufnahm, obwohl ich anfangs nur ein paar einfache Aufnahmen von Dingen aus meiner Umgebung machen wollte. So filmte ich ein paar vermeintlich unwichtige Personen, ihre Gedanken und Ansichten, die kleinen Dinge und die Betrachtung des Lebens usw. Mittels der Techink des Interviews diskutierten sie Themen wie „Welchen Sinn hat das Leben?“ oder „Welchen Sinn hat das menschliche Dasein?“ Natürlich waren die Antworten jedes Freundes unterschiedlich, was mit verschiedenen Alterstufen, Berufen, Beziehungen, Geschlecht, Herkunft und anderen Hintergründen zusammenhing. Angefangen mit Fragen an Personen aus dem täglichen Umfeld vermehrten sich später die Befragten, sodass sich zuletzt ein gesamter Film ergab.

In einem weiteren Dokumentarfilm Father An’s request habe ich die Aufgabe des Schnittes übernommen. Der Film handelte von einem Pater namens An, der seit 25 Jahren in Taiwan lebt. Der Film basierte auf einer zufälligen Begegnung mit einem Pater aus den USA, der sich allerdings selbst als Taiwaner bezeichnet und in Taiwan für etwa 20 Jahre sehr bescheiden lebte. Doch plötzlich sah er sich einer amtlichen Vernachlässigung gegenüber und mußte nach dem Verlust seines Kapitals einem sorgenvollen Leben gegenübertreten.

Ein Dialog inmitten des Film zwischen dem Pater und einem Freund brachte langsam seine Schwierigkeiten und Stimmung hervor. Bei starrer Kameraeinstellung umschrieb der Pater in bewegenden Worten sein eigenes Leben. Vor etwa 25 Jahren kam Pater An den weiten Weg nach Taiwan und ließ sich in der Nantou-Provinz in der Mitte der taiwanischen Insel nieder, wanderte zum Sonne-Mond-See und errichtete sich dort ein Zuhause und bot unzähligen Taiwanern einen Ort, ihre Ferien zu verbringen. Für etwa 20 Jahre konnte er die Landschaft genießen, bevor die Behörden beschlossen, die Häuser abzureißen. Von all diesen Dingen berichtete Pater An auf Taiwanisch mit Blick in die Kamera, von seinem Glauben, seinen Idealen und seinem Ehrgeiz. Dieser Film wurde komplett vor Ort gedreht und es wurden keine Hintergründe oder Musik benutzt.

Wieder mit der Aufgabe des Schnittes betraut wirkte ich in dem Dokumentarfilm Cloud (2003) mit (7 min 35 sek). Inhalt dieses kurzen Films sind die Wolken und die Natur Taibeis, ein Gegenüberstellung zwischen den emsigen Stadtbewohnern und der Natur. Die täglich von morgens bis abends beschäftigten Stadtbewohner und die langsamen Wolken am Himmel ergaben einen passenden Vergleich.

Den ersten Kurzfilm drehte ich mit Sunny im Jahr 2004. Inhalt ist ist eine arbeitende Freundin, genauer gesagt ein gesamter Tag ihres Arbeitslebens. Als Grundfarbe für diesen Film habe ich mich für Grün entschieden.

Der experimentelle Trailer Wegen, Wenn und Also wurde 2005 während der Teilnahme an einem Filmseminar fertiggestellt. Dies war das erste Mal, dass ich als Mitglied einer größeren Gruppe ein Film verwirklichte. Diese Arbeit warf viele Fragen auf, und es wurde viel Zeit mit Diskussionen verwendet, um etwaige Probleme zu besprechen. Als Ergebnis habe ich einen etwa dreiminütigen Trailer geschnitten.

2.3 Abriss desProjektes
Der Name dieser Animation Republic of China, without people! entstammte einer Idee, die ich während eines Vortrages hatte, der den Einfluss und die Zukunft Taiwans zum Thema hatte. Zu diesem Zeitpunkt erfuhr ich von einem Witz über die Staatsbezeichung Chinas und Taiwans. Die englische Staatsbezeichnung für China lautet „People’s Republic of China“, während für Taiwan die Bezeichung „Republic of China“, ohne das Wort „people“, gängig ist. Dieser kleine Unterschied liefert meiner Meinung nach eine sehr ironische und lustige Vorlage für den gewählten Titel meiner Animation.

Ich selbst gehöre keinem politischen Lager an, und halte mich bei Fragen, die die „Wiedervereinigung“ oder „Unabhängigkeit“ betreffen, zurück. Die Botschaft, die ich mit meiner Animation mitteilen möchte, ist die, dass Menschen seit jeher ein Teil des Spiels von Politikern sind, obwohl sie den Menschen dienen und sich für sie opfern sollten. Doch in der chinesischen Geschichte gab es viele Politiker, die aufgrund eines Ziels viele Menschenleben opferten.
Doch haben wir nicht auch die Gelegenheit, das Blatt zu wenden, indem wir Politiker belächeln. Mithilfe der freien Presse und der Recht der Meinungsfreiheit können wir unsere Ansichten und Gedanken äußern, auch wenn die Presse und die Medien meist nur in der Hand einiger mächtiger Leute oder Konzerne sind.
Deshalb müssen wir andere Wege und Medien suchen, um unsere Meinungen zu äußern, vom Internet mit seinen Blogs bis hin zu Radio und Fernsehen, bis hin zu meiner Wahl, der Animation.
Hierbei kommt mir die Frage in den Sinn, ob die Politiker über die Menschen bestimmen, oder ob sie nur ein Spiegel der Gesellschaft sind, indem sie den Willen der Menschen umsetzen und die Menschen eigentlich über die Politiker bestimmen.

Es mag Leute geben, die diese Animation für kontrovers halten mögen, doch ich möchte lediglich das Dilemma der Chinesen darstellen, wenn auch als Komödie. Ich hoffe mit meiner Sicht der Dinge die Geschichte des Dilemmas der Chinesen nach dem Zweiten Weltkrieg darzulegen.
Meine Ansicht zu diesem Thema ist seit jeher etwas pessimistisch gewesen. Ich möchte den Autor Bo Yang zitieren, der einmal sagte, dass die Chinesen nicht zusammenarbeiten und immer nur an den eigenen Vorteil denken, nicht so wie die Japaner, die eigentlich immer ein Volk waren, das sich als einheitliche Gruppe sah. Zu diesem Gedanken komme ich im fünften Abschnitt meiner Animation.
In der Mitte folgt meiner Auffassung nach der interessanteste Teil, nämlich der über die Aktionen der Politiker. Hierzu verwende ich Fotografien der Politker und des Zeitgeschehens, um die geschichtliche Entwicklung und die heutige Teilung zu dokumentieren.

2.4 Einfluss von außen
Hinsichtlich der Komposition dieser Animation orientierte ich mich zu großen Teilen an einem Werk des tcheschichen Regisseurs Jan Svankmajer: The Death of Stalinism in Bohemia. Als großer Künstler bekannt hat er neben Filmen und Animationen auch Malerei, Design, Architektur, Bildhauerei beeinflusst.
In der etwa zehnminütigen Animation beschreibt Svankmajer, wie der Stalinismus auf das tcheschiche Volk Einfluss nahm und bis heute spürbar ist. Die dazu passende Musik untermalt die Bilder und man spürt klar die Atmosphäre dieses Films.
Schon mehrmals habe ich tschechische Freunde gebeten, mir die Botschaft des Films zu erklären. Schade ist, dass ich selbst nur wenig über die tschechische Geschichte weiß. Dieser Umstand bedeutet dür mich aber auch, dass in der heutigen Zeit immer weniger über Weltgeschichte und wichtige Ereignisse bekannt ist.

2.5 Jan Svankmajer
Jan Svankmajer ist bekannt als Regisseur vieler Filme, die zu großen Teilen der Sparte surrealistischer Animationen zuzuordnen sind. Der am 4. September 1934 in Prag geborene nutzt seit Beginn seines Schaffens die unterschiedlichsten Medienarten, um seine meist kritischen Werke zu verbreiten. Seine Kritik richtet sich meist an gesellschaftliche Zustände, die in Zusammenhang mit der politischen Kultur seiner Zeit auftreten.
Ein Aushängeschild seiner Fimkunst ist die Stop-Motion-Technik. Sie erlaubt es Svankmajer, unbewegte Dinge zum Leben zu erwecken. Auf diese Weise ist er nicht nur auf lebende Personen angewiesen, um seine Visionen in filmisches Schaffen umzusetzen. Bisher produzierte Svankmajer über 30 Filme, sowohl kurze Animationen wie auch Filme in Spielfilmlänge.

3. Geschichtlicher Hintergrund
Bei den folgenden Ereignissen der neueren chinesischen Geschichte handelt es sich um Vorkommnisse, in deren Verlauf oder Folge ein Einfluss ausländischer Mächte in China zu erkennen ist. Sie erscheinen ebenfalls in meiner Animation, so dass es für erwähnenswert halte, kurz näher auf diese Ereignisse einzugehen.

3.1 Opiumkriege
Das erste geschichtliche Ereignis, das in meiner Animation behandelt wird, ist die Zeit der Opiumkriege, deren Ausgang die chinesische Welt unter starken Einfluss der westlichen Kolonialmächte des 19. Jahrhunderts brachten. Allen voran war es englische Kaufleute, die illegal Opium nach China schmuggelten und sich somit den Zorn des chinesischen Kaiserreiches einhandelten. Nach Ende des Ersten Opiumkrieges (1839-1842) fiel Hongkong unter englischen Einfluss. In den sogenannten „Ungleichen Verträgen von Nanjing“ musste sich die Qing-Regierung (Qing-Dynastie 1644-1911) Forderungen von Reparationszahlungen und Öffnung wichtiger Seehäfen beugen. Außerdem erhielten Ausländer das als Schmach der Chinesen angesehene „Extraterritorialrecht“, das in China ansässige Ausländer von der chinesischen Gerichtsbarkeit ausschloss.
Mit dem Verlust des Krieges verlor das chinesische Kaiserreich seinen Status als Hegemonialmacht.
Der Zweite Opiumkrieg (1856-1860) hatte die weitere Öffnung von Chinas Häfen und die Gewährung von Eigentum für Ausländer zur Folge.

3.2 Niederschlagung des Boxeraufstandes
Eine interantionale Armee bestehend aus Truppenteilen von acht Kolonialmächten, darunter auch das deutsche Kaiserreich, sorgte für die Niederschlagung des Boxeraufstandes 1900. Die Boxer waren eine Geheimorganisation, die sich der Vertreibung von Ausländern aus China verschrieben hatte. Außerdem sahen sie in dem von europäischen Missionaren verbreiteten Christentum eine Gefahr für die chinesische Identität und stellten sich als Verbündete des bereits geschwächten Kaiserhofes in Peking dar. Dort erreichte der Aufstand auch seinen Höhepunkt, als die Boxer das Gesandschaftsviertel in Peking angriffen. Alliierte Truppen, die den Gesandten zur Hilfe eilen wollten, gerieten in einen Krieg mit den Boxern, die nun von kaiserlichen Truppen unterstützt wurden. Daraufhin entsandten acht Kolonialmächte Truppen nach China, um den Aufstand niederzuschlagen.
Dieses Ereignis ist ein weiteres Beispiel dafür, wie schwach einerseits die chinesische Seite zu Beginn des 20. Jahrhunderts war, und andererseits auch für die kompromisslose Politik der Kolonialmächte zu dieser Zeit.

3.3 Widerstandskrieg gegen Japan
Besonders mit einem weiteren asiatischen Land lieferte sich das chinesische Kaiserreich zum Ende des ausgehenden 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts heftige Auseinandersetzungen: mit Japan. Die bereits nach den Opiumkriegen geschwächte chinesische Regierung musste mit ansehen, wie Japan seinen Einfluss nach eigener Öffnungspolitik seit 1853 immer mehr auf das chinesische Festland ausdehnte. Angefangen von der Kolonialisierung Taiwans nach dem ersten chinesisch-japanischen Krieg 1894/95 und der Besetzung der Manschurei stellten die Japaner eine immer größer werdende Bedrohung dar. Die schon vor dem europäischen Teil des Zweiten Weltkriegs begonnene Expansionspolitik Japans in ganz Ostasien führte schließlich dazu, dass sich die im Innern verfeindeten Gruppen der Kommunisten unter Mao Zedong und der Nationalisten unter Chiang Kai-shek gegen die Japaner zusammenschlossen. Allerdings wurde von nationalchinesischer Seite eine Politik des Ausweichens praktiziert, indem sie Waffenlieferungen der Alliierten Mächte USA und Großbritannien hortete, um nach dem Verschwinden der Japaner wieder gegen die Kommunisten vorgehen zu können. Die Allianz war demnach eine Allianz auf Zeit. Beide Seiten waren sich bewußt, dass der Kampf um die Vorherrschaft in China noch bevorstand.

3.4 Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Nationalisten
Direkt nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Pazifik wurde auch China als Sieger gefeiert. Die regierenden Nationalisten setzten schon kurz nach Abzug der Japaner den in den 30er Jahren begonnenen Kampf gegen die Kommunisten fort. Doch das von Korruption geschüttelte Regime fand in der Bevölkerung keinen Rückhalt mehr, insbesondere bei der Landbevölkerung, den Bauern. Sie schlossen sich zum Großteil den Kommunisten an, die auf dem Land ihre Basen errichteten und von dort aus einen Guerillakrieg gegen die zudem schlecht organisierten Nationaltruppen führten. Das Blatt wendete sich immer mehr zugunsten der Kommunisten, so dass Chiang Kai-shek nach vierjährigem Bürgerkrieg die Flucht nach Taiwan unternahm.

3.5 Vorstellung von politischen Persönlichkeiten
Jiang Jieshi (im Westen besser bekannt als Chiang Kai-shek) war Vorsitzender der Kuomintang (Guomindang), der Nationalpartei Chinas, die ab 1949 auf Taiwan regierte. Direkt im Anschluss an seine Machtübernahme in der Kuomintang versuchte er, die erstarkenden Kommunisten zu besiegen. Somit war Mao Zedong sein größter Gegenspieler. Mao war von 1935 Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas. Nach der Flucht der Kuomintang nach Taiwan rief er am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China aus. Während seiner Politik kam es zu vielen einschneidenden Ereignissen, die ein Leiden des chinesischen Volkes zur Folge hatten.

3.6 Vorstellung Taiwans und Chinas
3.6.1 Taiwan

Taiwan ist eine Insel vor der südchinesischen Küste. Mit einer Größe von 36.179 km² ist Taiwan etwa ein Zehntel so groß wie Deutschland, doch leben hier 24 Millionen Menschen, was etwa einem Viertel der Bevölkerung Deutschlands entspricht. Da Taiwan von Nord bis Süd mit einer Bergkette durchzogen ist, ist die Bevölkerungsdichte dementsprechend hoch. Den höchsten Bevölkerungsanteil nehmen die Han-Chinesen ein, daneben gibt es viele Ureinwohnervölker, deren Anzahl allerdings sehr gering ist. Viele der Han-Chinesen kamen nach dem Bürgerkrieg zwischen Nationalisten und Kommunisten und der Flucht der Nationalregierung ab 1949 nach Taiwan.
Bis 1971 behielt die Republik China auf Taiwan ihren Sitz in der UNO, doch verlor den Sitz an die Volksrepublik China als alleinigen Vertreter Chinas.
Seit 1990 vollzieht Taiwan eine Wandlung hin zu einem demokratischen Staat. Amtssprache ist Chinesisch, wenn momentan auch Bestrebungen im Gange sind, die einheimischen Sprachen zu fördern.

3.6.2 China
Die Volksrepublik ist das viertgrößte Land der Erde und mit 1,36 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste dazu. Der Osten ist sehr dicht besiedelt, im Gegensatz zum westlichen Teil des Landes. Amtssprache ist Chinesisch, doch es gibt eine Vielzahl von Dialekten, die etwa die sprachliche Breite von Nord- bis Südeuropa aufweisen.
Die über 5000-jährige Geschichte war geprägt von Einigungen und Zerwürfnissen, ebenso gab es viele Fremdherrschaften.
Seit 1949 regiert als alleinige Partei die Kommunistische Partei Chinas. Seit 1978 verfolgt die Regierung eine langsame und kontrollierte Öffnungspolitik, vor allem im wirtschaftlichen Bereich

4. Bestandteile der Animation
4.1 Drehbuch

Die fünf Kapitel der Animation teilen sich wie folgt auf:
Kapitel 1: Chinese SUSHI
a) Thema: Die ausländischen Mächte teilen China auf.
b) Inhalt: Mit einem essenden Menschen soll das Eindringen der ausländischen Mächte szmbolisiert werden. Die Chinesen ähneln den Gängen eines Menüs, die Körperteile werden nach und nach abgeschnitten, wie bei einer vorbestellten Ware. Sobald das Menü serviert wird, ist es auch schon fort, wie ein Sattmacher. Hier kommt auch der Charakter der Chinesen zum Ausdruck, wie der Schriftsteller Lu Xun es beschrieben hat: „Die Chinesen ähneln Ah Q.“

Kapitel 2: Godzilla is coming
a) Thema: Das Volk gegen die Japaner.
b) Inhalt: Das Monster Japan erscheint und beginnt zu brandschatzen, zu morden und zu plündern. Zu dieser Zeit erscheinen zwei Widerstandskämpfer, Jiang und Mao. Zwischen dem Monster Japan, Mao und Chiang besteht eine besondere sexuelle Beziehung. Als schließlich der amerikanische Superman seine zwei „Eier“ über Hiroshima und Nagasaki abwirft, fällt das Monster Japan um.

Kapitel 3: Civil War
a) Thema: Chiang und Mao treffen sich zum ersten Mal / Bürgerkrieg
b) Inhalt: In diesem Abschnitt wird der Bürgerkrieg als Liebesgeschichte der beiden Anführer Mao und Chiang dargestellt. Diese Art von Beziehung soll auch verdeutlichen, dass die Chinesen immerzu in inneren Streitigkeiten liegen und nicht als Ganzes zusammenarbeiten. Anschließend teilt sich die Geschichte in Taiwan und Festlandchina.

Kapitel 4: Maoism vs. Chiangism
a) Thema: Einfluss der historischen Ereignisse auf die Entwicklung in Taiwan und China
b) Inhalt: Die Republik China auf Taiwan wird angeführt von Chiang Kai-shek, seinem Sohn Jiang Jingguo und vom ersten direkt gewählten Präsidenten Li Denghui bis in die heutige Zeit. Dabei kommen wichtige geschichtliche Ereignisse wie der 28. Februar 1947 (chin. er er ba), die Unabhängigkeitsbestrebungen usw. Die Volksrepublik China unter der Herrschaft von Mao Zedong, Hua Guofeng, Hu Yuebang, Deng Xiaoping bis in die heutige Zeit wird durch die Ereignisse während der „Anti-Rechts-Kampagne“, des „Großen Sprung nach vorn“, der „Kulturrevolution“ und dem „Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens“ usw dargeestellt.

Kapitel 5: Nationality
a) Thema: Das Dilemma des chinesischen Volkes
b) Inhalt: Unaufhörliche innere Streitigkeiten, das ist das Dilemma des chinesischen Volkes. In der langen Geschiche Chinas gab es immer wieder Einigungen und Zerfälle, immer zum Nachteil des Volkes. Zu allem Überfluss gerieten sie auch noch unter fremden Einfluss der imperialistischen Staaten. Vielleicht ist das Volk der Chinesen zu groß. Wie dem auch sei, leidende Menschen sind das Spielzeug der Politiker.

4.2 Technische Methoden
Es liegt augenblicklich im Trend 3D-Animationen zu produzieren, vor allem mit computergestützter Technologie. Doch viele gewöhnliche 3D-Animationen weisen Nachlässigkeiten hinsichtlich Software und Geschicklichkeit auf, sei es im Charakter, Farbe, Schreibstil, Gestaltung usw. Häufig verliert der Autor den künstlerischen Stil. Um den eigenen Stil nich zu verlieren, malen viele sämtliche Bilder mit der Hand, um sie dann erst später bei der Postproduktion im Computer nachzubearbeiten. Diese Vorgehensweise bezeichnet man mit zwei Ausdrücken, dem Digitalen Import und der Computer Postproduktion.

Mittles einer Digitalkamera wird bei der Stop Motion Animation jedes Bild einzeln abfotografiert, so dass sich eine Sammlung mehrerer tausend Bilder ergibt. Dabei enthält eine Sekunde des fertigen Films in etwa 15 Bilder. Zu dieser Zeit ist die Auflösung der Digitalkamera noch nicht sehr hoch, sie beträgt nur 2.400.000 Pixel (Laenge1024, Breite 768). Nach der Fotoarbeit wird das Material mittels der Programme Premiere 5.0 und After Effects 5.0 in den Computer eingespeist, um die Postproduktion anzustreben. Zuletzt entsteht ein digitales Video.

Dennoch besteht ein großer Unterschied zwischen Theorie und Praxis, weil von der handwerklichen Seite ein großer Druck und die Prüfungspflicht bestehen, zuzüglich lassen das nicht immer ausreichende Material und die fehlende Unterstützung der Technik die Realisierung sehr schwer werden. Auf der anderen Seite hat die Stop Motion Animation eine Art Attraktivität, denn bezüglich des Sehsinns besteht ein besonderer Charakter und Geschmack, es fängt mit den kleinen Bausteinen an. Die technische Seite ist dabei das größte Problem.

Beim Digitalen Import wird zuerst mit der Digitalkamera fotografiert, der Schnitt und Feinbearbeitung erfolgt im Computer. Als Digitalkamera verwende ich die Nikon Coolpix-5000 mit fünf Millionen Pixeln (Länge 2560, Breite 1920). Nach dem Export in den Computer ist es möglich, Filmqualität zu erreichen (35mm, 16mm). Die Anzahl der Bilder pro Sekunde ist nicht festgelegt, sie variiert von 15 bis 30.

4.3 Format beim Datenexport
Beim Fotografiervorgang ist die Pixelanzahl jedes Fotos gleichbleibend mit 1600*1200. Gespeichert werden sie auf einer Memorycard von einer Speicherkapazität von 256 MB. Mit dieser Einstellung ist es möglich, etwa 250 Bilder in einem Vorgang zu machen. Das heißt, wenn pro Sekunde Film etwa 15 Bilder benötigt werden, entstehen so etwa 16 Sekunden Film

4.4 Digitale Hilfsmittel und Postproduktion
Um die fertigen Fotos im Computer nachzubearbeiten, verwende ich die Programme Adobe After Effects 6.5 und Adobe Premiere Pro 1.5. Stehen Veränderungen und feinere Einstellungen an, benutze ich Adobe Illustrator 8.0 und Adobe Photosop 7.0.

4.5 Projektplan
2005.06~2005.10 Vorbereitungen, Drehbuchgestaltung, Materialsammlung,
2005.11 Drehbuchgestaltung, Überlegungen für den Titel, Entwürfe
2005.12 Gestalterische Arbeit: Ideensammlung fuer Zeichnungen, Suche nach Mitarbeitern und Arbeitsplatz
Theoretische Arbeit:Materialsammlung und Vorüberlegungen
2006.01~2006.02 Gestalterische Arbeit: Setting und Rollenverteilung, Zeichnung der Personen, Storyboard, Festlegung der Mitarbeiter und des Arbeitsplatzes
Theoretische Arbeit:Materialsammlung und Vorüberlegungen
2006.02~2006.05 Gestalterische Arbeit: Fertigstellung des Drehbuchs, Herstellung von Gegenständen und Setting, Musik und Sound, Beginn mit der Dreharbeiten von Kapitel 1: Chinese SUSHI und Kapitel 3: Civil War
Theoretische Arbeit: Beginn der Hausarbeit
2006.06~2006.08 Bewerbung für finanzielle Unterstützung bei der National Culture and Arts Foundation Taiwan
2006.09~2006.12 Fertigstellung von Kapitel 1: Chinese SUSHI und Kapitel 3: Civil War
2007.01~2007.03 Beginn der Dreharbeiten von Kapitel 2: Godzilla is coming
2007.03~2007.06 Fertigstellung von Kapitel 2: Godzilla is coming
Planung von Kapitel 4 und 5, Suche nach finanzieller Unterstützung

4.6 Vertriebsplan und Möglichkeiten der Vermarktung

Kurzfristige Planung:
Mein Plan für die nähere Zukunft sieht vor, meine Animation zunächst als Premiere in Taipeh und danach in Offenbach am Main an der Hochschule für Gestaltung zu präsentieren.
Des weiteren gibt es einige Filmfestspiele, auf denen es möglich wäre, die Animation als Wettbewerbsbeitrag laufen lassen zu können, z.B. bei den International Animated Film Festival in Annecy/Frankreich und Ottawa/Kanada.

Mittelfristige Planung:
Herstellung von Figuren, DVD, T-Shirt, Postkarten, Anstecknadeln, Taschen

Langfristige Planung:
Produktion einer Website, eine eigenen Marke kreieren, Film veröffentlichen

5. Schlussbetrachtung
In den letzten Jahren haben sich die technischen Vorausseutzungen sehr verbessert, so dass eine derartige Animation einfacher zu gestalten und realisieren ist. Somit hat der Künstler und Designer ebenso mehr Möglichkeiten sich auszudrücken. Jedoch sind die Medien nur das Mittel, nicht aber das Ziel. Der Künstler und Designer muss zum Original zurückkehren und sich fragen: Was will ich sagen? Was will ich zeigen?
Mit der technischen Innovation der Medien hat nahezu jeder die Möglichkeit sich zu äußern, z.B. durch Blogs. Auch die Politik wird durch die Medien in gewisser Weise transparent, auch wenn die Medien es verzerrt darstellen können. Es liegt also an jedem einzelnen, ob er Richtig und Falsch unterscheiden kann.

Die Medien haben ihrerseits eine professionelle Ethik, ob sie das Spielzeug der Politik sind, hängt von ihrer Eigenständigkeit ab. Die letzten Entwicklungen von Google in China sind ein gutes Beispiel hierfür.
Stellt man die Frage nach der Unabhängigkeit von Taiwan und der schrittweisen Demokratisierung, so ist bei den Medien auffällig, dass sie ebenso wie im kommunistischen China eine große Rolle spielen. Jegliche Meinungsäußerung sollte umso mehr respekiert werden.
In der Zukunft werden meine Animationen außer der Politik auch noch andere Gebiete zum Thema haben, wie beispielsweise Diskussionen gegen den Krieg.

6.Quellennachweis
50 Jahre gegen Japan. Ausg. 5+6, Country Print. Taipei, 1981.
China Cosmos Publishing House (Hrsg.). The Change of Relation between Japan and The Republic of China. Taiwan, 1973
Faber Liz und Walters, Helen: Animation Unlimited Innovative Short Films Since 1940. Laurence King Publishing Ltd. London, 2004.
Great Thing of Chang Human Life, Chiang Men Print, Taipei
My Century of Taiwan. Chinatimes. Taiwan, 2000.
Six Year of Progress. Government Information Office. Taipei, 1984.

6.1 Internetquellen
http://zeitgeistfilms.com/directors/jsvankmajer/filmography.htm abgerufen am 15. Mai 2006.
http://www.illumin.co.uk/svank/index.html abgerufen am 15. Mai 2006.
http://www.flags.idv.tw/k66/wfh/pg-as-1.htm#106 abgerufen am 24. April 2006
http://www.flags.idv.tw/k66/ abgerufen am 24. April 2006

7.Anhang:
7.1 Filme von Jan Svankmajer:
1964 THE LAST TRICK OF MR SCHWARZEWALD AND MR. EDGAR (10 min)
1965 J.S. BACH: FANTASY IN G MINOR (8 min)
1965 PLAY WITH STONES (8 min)
1966 PUNCH AND JUDY (10 min)
1966 ET CETERA (8 min)
1967 HISTORIA NATURAE (10 min)
1968 THE GARDEN (19 min)
1968 PICNIC WITH WEISSMANN (11 min)
1969 THE FLAT (12 min)
1969 QUIET WEEK IN A HOUSE (13 min)
1970 THE OSSUARY (10 min)
1970 DON JUAN (35 min)
1971 JABBERWOCKY (12 min)
1972 LEONARDO’S DIARY (10 min)
1979 THE CASTLE OF OTRANTO (20 min)
1980 THE FALL OF THE HOUSE OF USHER
1982 DIMENSIONS OF DIALOGUE (12 min)
1983 TO THE CELLAR (16 min)
1983 THE PIT, THE PENDULUM AND HOPE
1987 ALICE (84 min)
1988 VIRILE GAMES (15 min)
1988 ANOTHER KIND OF LOVE (4 min)
1989 MEAT IN LOVE (1 min)
1989 DARKNESS, LIGHT, DARKNESS (8 min)
1989 FLORA (MTV clip) (1 min)
1990 THE DEATH OF STALINISM IN BOHEMIA (11 min)
1992 FOOD (17 min)
1994 FAUST (97 min)
1996 CONSPIRATORS OF PLEASURE (83 min)
2001 LITTLE OTIK (OTESÁNEK) (127 min)